Die Kriterien, nach denen die optimale Pipette ausgesucht werden kann, sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Modelle, die im Markt angeboten werden. Häufig schränken hierbei die Eigenschaften des verwendeten Mediums bereits die Auswahl ein und zwingen den Anwender zur Wahl eines Direktverdrängers. Das verwendete Medium ist somit eines der wichtigsten Kriterien, die bei der Wahl des geeigneten Dosiersystems eine Rolle spielt. Dennoch ist die Auswahl auch innerhalb einer Gruppe groß und es gibt meist verschiedenste Modelle, die alle nach einem Prinzip arbeiten.
Aus diesem Grund müssen auch die Anforderungen der Anwendung mit berücksichtigt werden. So muss zum Beispiel geschaut werden, wie oft eine Abgabe wiederholt werden muss, welche Gefäße Einsatz finden oder welches Volumen notwendig ist. Deshalb muss ein Gerät den Anwender optimal in seiner Arbeit unterstützen; es muss intuitiv zu bedienen sein, Sicherheiten geben und den gewünschten Anforderungen optimal gerecht werden.
Mit den nachfolgenden Erläuterungen sollen die Unterschiede der einzelnen Geräte aufgezeigt werden, damit eine Entscheidung leichter getroffen werden kann.
Das verwendete Medium hat vor allem bei Geräten, die nach dem Luftpolsterprinzip arbeiten, einen entscheidenden Einfluss und kann sich negativ auf die Genauigkeit der Dosierung auswirken. Viele Medien können ein präzises und reproduzierbares Arbeiten mit den Luftpolstermodellen erschweren oder machen es gegebenenfalls sogar unmöglich:
Mit einer gewissen Erfahrung und mit speziellen Tricks, wie dem reversen Pipettieren, der Verwendung oberflächenbehandelter Low Retention Spitzen, der Sättigung des Luftpolsters durch mehrmalige Aufnahme und Abgabe des Mediums vor dem eigentlichen Pipettierschritt sowie dem langsamen Arbeiten können auch diese Medien teilweise bei Luftpolstermodellen eingesetzt werden.
Am häufigsten machen vor allem hochviskose Medien Probleme und den Wechsel zum Direktverdränger unverzichtbar. Natürlich bietet die richtige Arbeitsweise wie langsames Dosieren Optimierungsmöglichkeiten, aber wie an den Viskositätsgrenzen der einzelnen Geräte zu erkennen, sind die Unterschiede deutlich:
bis 260 mPa s
Bis 140.000 mm2/s (100 µl Nennvolumen mit Transferpettor micro)
Bis 40.000 mm2/s (500 µl Nennvolumen mit Transferpettor macro)
0 mPa s bei 50 ml PD-Tip
260 mPa s bei 5 ml PD-Tip
977 mPa s bei 1,25 ml PD-Tip
In diesen oder ähnlichen Fällen sollte auf ein Direktverdrängermodell gewechselt werden. Durch den direkten Kontakt zum Kolben entfällt der Einfluss des Luftpolsters und ein exaktes Arbeiten ohne Genauigkeitseinbußen ist gewährleistet.
Vor allem der Volumenbereich kann neben der Verwendbarkeit des Mediums ein weiteres Kriterium sein, nach dem das Dosiergerät ausgesucht wird. Gerade Geräte, wie die Transferpette®, die in kleinen Volumenbereichen hochpräzise arbeiten müssen, decken nur einen begrenzten Volumenbereich ab. Für die Anwendung ist es aber enorm wichtig, dass das gewünschte Volumen in einem Schritt abgegeben werden kann, um die Reproduzierbarkeit zu erreichen. Daher muss geschaut werden, welcher Bereich abgedeckt werden muss und welches Gerät die notwendigen Voraussetzungen hierfür mitbringt.
Neben dem abzugebenden Volumen ist auch entscheidend, wie oft dieses abgegeben werden soll. In manchen Versuchen muss jede Probe einzeln abgegeben werden. Manchmal ist es für die Anwendung aber auch sinnvoll, dass ein Volumen mehrmals nacheinander oder auch parallel abgegeben werden kann. Auch hier sind die Möglichkeiten so vielfältig wie die Anwendungen selbst.
Ist es für die Anwendung zwingend erforderlich ein Volumen ohne Risiko der Kontamination einmalig abzugeben, so eignen sich hierfür die Einkanalpipetten, wie zum Beispiel die Transferpette® pro oder Transferpette® S. Dies ist häufig der Fall, wenn es um kostbare Proben oder um molekulardiagnostische Versuche geht. Durch den stetigen Wechsel der Pipettenspitzen, der schnell und einfach ist, wird eine Probenvermischung zuverlässig verhindert und eine Kontaminationsvermeidung sichergestellt.
Doch was tun, wenn das Medium für die Verwendung der Luftpolsterpipette nicht geeignet ist? Selbst für problematische Flüssigkeiten hat BRAND eine Lösung, die kontaminationsfreies Arbeiten sicherstellt. Mit dem elektronischen HandyStep® touch und seiner Pipettierfunktion verwandelt sich der Mehrfachdispenser in eine praktische Direktverdrängerpipette. Die PD-Tips stellen sicher, dass keine Kontamination auftritt und erlauben es selbst kritische Lösungen sicher zu bedienen.
Wenn Sie problematische Lösungen nur hin und wieder dosieren wollen und Kontaminationsvermeidung nicht an erster Stelle steht, eignet sich der Transferpettor hervorragend. Die
Direktverdrängerpipette kann durch ihren längeren Spitzengebrauch routinemäßige Einmalanwendungen erleichtern und spart im Vergleich zum Mehrfachdispenser mit regelmäßigem
Spitzenwechsel Zeit und Kosten.
Soll bei großer Probenanzahl jedoch der Ablauf vereinfacht und Zeit gespart werden, so kann es sinnvoll sein, mehrere Gefäße oder Wells parallel zu füllen. Das Vorlegen einzelner Reagenzien in mehrere Wells spart Zeit und ermöglicht ein reproduzierbares Vorgehen. Je nach verwendeten Gefäßen können hier unterschiedliche Systeme zum Einsatz kommen und die Anwendung deutlich vereinfachen. Nutzt der Kunde Platten im SLAS/ANSI Format, so sind die Mehrkanalpipetten bis hin zum Pipettierroboter - der Liquid Handling Station eine ideale Möglichkeit, mehrere Wells parallel zu befüllen. Die Abstände entsprechen exakt diesem Format und so können zuverlässig 8 bzw. 12 Wells parallel befüllt werden. Mit der Transferpette® electronic können, je nach gewünschten Volumen, auch mehrere Reihen bis hin zu ganzen Platten befüllt werden.
Komplizierter wird es, wenn die gewünschten Gefäße keinem Standard SLAS/ANSI Format entsprechen. Hier können Mehrkanalsysteme kaum eingesetzt werden.
BRAND bietet auch dafür komfortable Lösungen an:
Mit der Transferpette® electronic im Dispensiermodus, dem HandyStep® S oder HandyStep® touch/touch S ist eine kontinuierliche Mehrfachabgabe in jedes Gefäß möglich. Je nach Komplexität der Anwendung reicht es von der manuellen Abgabe bis hin zu komplexen Serien mit dem HandyStep® touch S. Auch hier kann der Arbeitsaufwand sehr verschlankt werden und eine sichere und präzise Abgabe gewährleistet werden.
Die folgenden Übersichten fassen die oben beschrieben Kriterien noch einmal zusammen und stellen somit eine Entscheidungshilfe für die richtige Wahl dar.
Luftpolsterpipette
0,1 µl – 10 ml
Einzelabgabe
Luftpolsterpipette
0,5 µl – 300 µl
Mehrere Abgaben parallel
Luftpolsterpipette
0,5 µl – 1.250 µl
Mehrere Abgaben parallel
Luftpolsterpipette
0,5 µl – 5 ml
Schrittweises Dosieren möglich
Luftpolsterpipette
0,5 µl – 300 µl
Mehrere Abgaben parallel; Schrittweises Dosieren möglich
Direktverdrängerpipette
1 µl – 10 ml
Einzelabgabe
Mehrfachdispenser / Direktverdränger
2 µl – 5 ml
Schrittweises Dosieren möglich
Mehrfachdispenser / Direktverdränger
1 µl – 50 ml
Schrittweises Dosieren möglich; Abbildung komplexer Dosiervorgänge, auch Einzelabgabe im Pipettiermodus möglich