Volumenmessgeräte
BRAND BASICS
Die Volumenmessung gehört zu den grundlegenden Arbeiten im Labor und dafür stehen eine Vielzahl unterschiedlicher Volumenmessgeräte von BRAND zur Verfügung. Auf dieser Seite erhalten Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten Gerätearten, typische Anwendungen sowie zentrale Aspekte zu Zertifikaten, Normen, und Handhabung auf Basis der über 75-jährigen Erfahrung des Herstellers BRAND im Bereich der Volumenmessgeräte.
Volumenmessgeräte im Labor (egal ob in Chemie oder Biologie) sind spezielle Messgeräte, mit denen Flüssigkeiten möglichst genau abgemessen und dosiert bzw. überführt werden. Sie gehören zu den Prüf- und Messmitteln, also zu den Instrumenten, mit denen vereinbarten Beschaffenheiten (z. B. Konzentration, Gehalt, Titer) überhaupt erst zuverlässig geprüft werden können. Dabei werden sie vor allem zur Vorbereitung von Analysen von Flüssigkeiten und der eigentlichen Analyse an sich benutzt.
Wichtig ist: Im Labor ist das Volumen oft nicht nur „Hilfsgröße“, sondern Teil des Messwertes (z. B. beim Titrieren). Deshalb unterscheiden sich Volumenmessgeräte grundsätzlich von Messbechern oder Haushaltsmessgefäßen: Sie sind auf Normen, Fehlergrenzen, Justageart (In/Ex) und eine Referenztemperatur ausgelegt und sie müssen regelmäßig überwacht und kalibriert werden, insbesondere in regulierten Umgebungen.
Merke:
Im Labor haben sich mehrere Grundtypen etabliert, die sich vor allem darin unterscheiden, ob sie ein festes Zielvolumen bereitstellen oder variable Teilvolumina ermöglichen, wie sie justiert wurden und wie stark das Ergebnis von Ablesen und Handhabung (Meniskus, Ablauf-/Wartezeit, Benetzung) abhängt.
Die wichtigsten Arten von Volumenmessgeräten aus Glas oder Kunststoff sind:
Neben den hier beschriebenen Volumenmessgeräten aus Glas oder Kunststoff gehören auch Liquid-Handling-Geräte nach DIN EN ISO 8655 (z. B. Dispensette®, Transferpette® oder HandyStep®) zu den Volumenmessgeräten. Diese nutzen einen Hubkolben und besitzen damit ein anderes Funktionsprinzip als die Volumenmessgeräte aus Glas oder Kunststoff, die hier beschrieben werden.
Volumenmessgeräte werden immer dann benötigt, wenn ein Volumen gezielt eingestellt werden muss bzw. als Messgröße genutzt wird. Das ist überall dort der Fall, wo aus Volumen direkt Analysenergebnisse wie Konzentrationen oder Verdünnungsfaktoren folgen. Für die Auswahl hilft eine einfache Einteilung: Probenvorbereitung (Volumen als Referenz) vs. Analyse (Volumen als Teil des Messwerts).
In der Probenvorbereitung geht es meist darum, eine Probe auf ein definiertes Volumen zu bringen oder Volumina reproduzierbar zu überführen:
In vielen Verfahren ist das genau zugegebene oder verbrauchte Volumen selbst ein Teil der Messung, z. B. bei der Titration. Dann werden Geräte wie Büretten oder Titrierapparate verwendet, bei denen das präzise Einstellen, ein gutes Handling und das Ablesen des Volumens entscheidend ist.
Im Labor sind solche Geräte wichtig, weil schon kleine Volumenfehler Konzentrationen verändern und damit Analysen verfälschen können. Viele Volumenmessgeräte sind deshalb auf bestimmte Volumina, Genauigkeitsklassen und Anwendungen ausgelegt.
Messkolben
Vollpipette
Bürette/Titrierapparat
Mess-/Mischzylinder
Volumenmessgeräte unterscheiden sich vor allem durch den Volumentyp (fix vs. variabel), die Justage (In vs. Ex bzw. TC vs. TD), die Genauigkeitsklasse (A vs. B) und das Material/Werkstoff (Glas vs. Kunststoff).
Fixes vs. variables Volumen
Fixes Volumen: Eine einzelne Ringmarke kennzeichnet das Nennvolumen für die reproduzierbare Herstellung oder den Transfer eines festen Volumens. Die Bauform kombiniert einen großen Körper für den Hauptvolumenanteil mit einem schlanken, zylindrischen Hals mit kleinem Durchmesser (z. B. bei Messkolben und Vollpipetten).
Variables Volumen: Eine durchgehende Skala erlaubt unterschiedliche Teilvolumina einzustellen und abzulesen. Der zylindrische Körper mit größerem Querschnitt bildet über die gesamte Skalenstrecke die jeweilige Fehlergrenze an jedem einzelnen Volumen ab (z. B. Büretten, Messpipetten, Mess-/Mischzylinder).
In vs. Ex oder TC vs. TD
In: Das Gerät ist so gefertigt, dass es das Nennvolumen enthält. Beim Ausgießen bleibt immer ein Rest an Flüssigkeit zurück.
Ex: Das Gerät ist so gefertigt, dass es das Nennvolumen abgibt. Nach dem Auslaufen darf eine definierte Restmenge im Gerät verbleiben. Eine vorgegebene Wartezeit kann Teil der Spezifikation sein und ist einzuhalten.
Ex / TD
Kleiner Querschnitt, fixes Volumen
Ex / TD
Großer Querschnitt, variables Volumen
In / TC
Kleiner Querschnitt, fixes Volumen
In / TC
Großer Querschnitt, variables Volumen
Ex / TD
i.d.R. kleiner Querschnitt, variables Volumen
3. Klasse A vs. Klasse B
Je größer der Querschnitt (Innendurchmesser an der Ringmarke), desto größer der absolute Fehler!
DIN EN ISO 384: MPE ≥ 0,25 x π x D2 x (0,4 + 0,01 D)
(vereinfachte Formel) MPE = Fehlergrenze;
D = Innendurchmesser an Ringmarke
4. Glas vs. Kunststoff
Merke:
Bei der Handhabung sind folgende zentrale Punkte wichtig:
Bei richtigem Ablesen sind Volumenmessgeräte aus Glas die genauesten Messinstrumente für Volumina im Labor.
Wie der Meniskus richtig abzulesen ist, erfahren Sie hier.
Vorgaben zu Wartezeiten, Winkel und dem Abstreifen haben Einfluss auf das präzise Volumen und müssen je nach Gerät beachtet werden.
Mehr Infos zu der Handhabung der einzelnen Volumenmessgeräte.
Das angegebene Volumen bezieht sich auf die auf dem Volumenmessgerät angegebene Referenztemperatur (typischerweise 20 °C), bei der das Gerät kalibriert wurde. Für genauste Messergebnisse sollte möglichst dieselbe Temperatur eingehalten werden. Bei deutlichen Abweichungen von der Referenztemperatur sind temperaturbedingte Volumenänderungen bei Berechnungen zu berücksichtigen.
Rückstände, bspw. Fettfilme oder Kalkflecken (Pulver), stören die Benetzung und verfälschen den Meniskus. Vor Nutzung reinigen, spülen und trocknen. Mehr zum richtigen Reinigen von Laborgeräten erfahren Sie hier.
Vor jedem Einsatz sollte eine Sichtprüfung durchgeführt werden (z. B. Risse, abgeplatzte Kanten, beschädigte Skala). Unabhängig davon sollten regelmäßig wiederkehrende Kalibrierungen gemäß Prüfmittelüberwachung durchgeführt werden.
Grundsätzlich wird in Qualitätszertifikate (Chargen- und Einzelzertifikate), Konformitätserklärungen und Kalibrierscheine unterschieden. Alle Zertifikate dokumentieren die Rückführbarkeit, wobei die Nachweistiefe vom Chargenzertifikat über das Einzelzertifikat bis zum DAkkS‑Kalibrierschein zunimmt. Zusätzlich kennzeichnet das DE‑M‑Zeichen die Konformität mit der deutschen Mess‑ und Eichverordnung.
Grundlegende Infos:
Zusätzliche Infos:
Inhalt: Mittelwert und Standardabweichung der Charge, Datum, Rückführung der Prüfmittel
Grundlage: Gerätestandards wie DIN EN ISO 1042 (Messkolben), 4788 (Messzylinder), 385/648/835 (Büretten/Pipetten)
Einsatz: Routinearbeiten, wenn ein Chargennachweis genügt
Inhalt: Prüfwerte für das konkrete Einzelgerät
Vorteil: Eindeutige Rückverfolgbarkeit auf Serien‑/Geräteebene
Einsatz: Wenn individuelle Nachweise gefordert sind
Zweck: Bestätigung der Fehlergrenzen der United States Pharmacopeia
Einsatz: Analysen und Verfahren mit explizitem USP‑Bezug
Zweck: Unabhängiger, akkreditierter Kalibriernachweis mit Rückführung
Einsatz: Gutachten (bspw. forensisch, medizinisch, technisch), regulatorische Vorgaben, Akkreditierungspflichten
Bei BRAND erhalten Sie auf Wunsch viele Volumenmessgeräte direkt mit einem DAkkS-Kalibrierschein aus unserem nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Kalibrierlabor.
DE‑M‑Kennzeichnung (gesetzlicher Messbereich)
Bedeutung: Konformität mit der deutschen Mess‑ und Eichverordnung
Relevanz: Für Geräte, die im gesetzlich geregelten Bereich bereitgehalten oder verwendet werden
Routine mit allgemeiner Rückverfolgbarkeit? → Chargenzertifikat
Gerät‑spezifische Rückverfolgbarkeit? → Einzelzertifikat
Pharma/USP‑Pflichten? → USP‑Zertifikat (Charge oder Einzelgerät)
Gutachten (insbesondere im öffentlichen Raum)? → DAkkS‑Kalibrierschein
Für Volumenmessgeräte gelten eine allgemeine Grundnorm, spezifische Produktnormen je Gerätetyp und eine zentrale Prüfnorm für Kalibrierung und Anwendung:
DIN EN ISO 384
DIN EN ISO 385/ 648/ 835 / 1042/ 4788/ 5215
DIN 12681
DIN ISO 3507
ISO 6706
DIN EN ISO 4787
Guidelines/ Bücher/ Normen aus anderen Bereichen
DIN EN ISO 648 (Glas)
USP Kapitel 31/ASTM E969
DIN EN ISO 835 (Glas)
USP Kapitel 31 (ASTM E 1293)
DIN EN ISO 1042 (Glas)
DIN EN ISO 5215 (Kunststoff)
USP Kapitel 31/ASTM E 288
DIN EN ISO 4788 (Glas)
ISO 6706/ DIN 12681 (Kunststoff)
USP Kapitel 31 (ASTM E 1272)
DIN EN ISO 385 (Glas)
USP Kapitel 31/ASTM E 1189 & 287
*Details zum Vergleich: G.I.T. Laboratory Journal 9-10 / 2013, pp 33-35
Jander Jahr Maßanalyse (17. Auflage)
G.I.T. Laboratory Journal 9-10 / 2013, pp 33-35
BLAUBRAND® Volumenmessgeräte bieten geprüfte Genauigkeit (Klasse A/AS), verlässliche Zertifikate und langlebige Materialien aus Deutschland. Jedes Glasvolumenmessgerät wird bei BRAND individuell justiert. Darüber hinaus verwendet BRAND Qualitätsdruckfarben, die zusammen mit dem Einbrennprozess speziell für Volumenmessgeräte aus Glas entwickelt wurden und eine gute Ablesbarkeit auch nach vielen Waschzyklen gewährleisten. Dadurch sichern sie reproduzierbare Ergebnisse.
Der Glasabtrag kommt hauptsächlich von der Reinigung. Erfahren Sie mehr zum Thema Reinigung von Volumenmessgeräten hier.
Die Referenztemperatur, bei BLAUBRAND 20 °C, ist der feste Bezugspunkt, auf den die Justage von Volumenmessgeräten ausgelegt ist. D.h. Volumen und Toleranzen beziehen sich auf 20 °C. Wird bei abweichender Temperatur gearbeitet, entstehen zusätzliche Abweichungen, die durch dokumentierte Korrekturen berücksichtigt werden. Physikalisch gesehen verändert sich das Volumen der Flüssigkeit mit Temperaturänderung. Auch das Gerät hat diese Abhängigkeit, so dass die Referenztemperatur für Vergleichbarkeit sorgt. Wird bei abweichender Temperatur gearbeitet, entstehen zusätzliche Abweichungen, die durch dokumentierte Korrekturen berücksichtigt werden.
Glas-Volumenmessgeräte werden für die meisten Laboranwendungen eingesetzt, da sie formstabil, chemisch beständig und sehr genau sind. Kunststoff-Volumenmessgeräte kommen zum Einsatz, wenn Glas ungeeignet ist, beispielsweise bei Arbeiten mit Fluorwasserstoffsäure (HF) oder in bestimmten Analysen oder dem Bereich Spurenanalyse.
Insbesondere durch die regelmäßige Reinigung kommt es zu einem allmählichen Glasabtrag. Dessen Ausmaß hängt von mehreren Faktoren ab: Reinigungsdauer, Temperatur, Art und Konzentration des Detergenz sowie dem pH-Wert der verwendeten Reinigungslösung. Je länger und intensiver die Beanspruchung, desto stärker kann der Glasabtrag ausfallen.
Dieser Materialverlust von wenigen Mikrometern führt zu Volumenänderungen und kann i.d.R. nicht erkannt werden.
Um sicherzustellen, dass Volumenmessgeräte weiterhin die geforderte Genauigkeit erfüllen, sollten sie regelmäßig überprüft werden.
Der Unterschied liegt vor allem in der Messgenauigkeit. Volumenmessgeräte wie Messkolben, Messzylinder oder Pipetten sind kalibriert und für genaue Volumenbestimmungen ausgelegt. Sie besitzen definierte Fehlergrenzen und werden für quantitative Arbeiten im Labor eingesetzt.
Messbecher dienen hingegen hauptsächlich zum groben Abschätzen oder Ansetzen von Flüssigkeitsmengen. Die Skala ist mit etwa +/- 10% deutlich weniger genau und nicht für präzise Volumenmessungen geeignet.