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Reinigung von Laborgeräten

Manuelle und maschinelle Reinigung

Laborgeräte aus Glas und Kunststoff können manuell im Tauchbad oder maschinell in der Labor-Spülmaschine gereinigt werden.


Laborgeräte sollten unmittelbar nach Gebrauch bei niedriger Temperatur, kurzer Verweildauer und geringer Alkalität gereinigt werden. Laborgeräte, die mit infektiösen Substanzen in Berührung gekommen sind, werden zunächst desinfiziert, dann gereinigt und ggf. anschließend autoklaviert. Nur so kann ein Anbacken der Verschmutzungen und eine Schädigung der Geräte durch eventuell anhaftende Chemikalien verhindert werden.
 

Hinweis:
Benutzte Laborgeräte müssen vor der Reinigung desinfiziert werden, sofern bei der Reinigung die Gefahr von Verletzung besteht.

Wisch- und Scheuerverfahren

Allgemein bekannt ist das Wisch- und Scheuerverfahren mit einem Lappen oder Schwamm, die jeweils mit Reinigungslösung getränkt sind. Laborgeräte dürfen nie mit abrasiven Scheuermitteln oder -schwämmen bearbeitet werden, da hierbei die Oberfläche beschädigt werden kann.

Tauchbadverfahren

Beim Tauchbad-Verfahren werden die Laborgeräte in der Regel bei Raumtemperatur für 20 bis 30 min in die Reinigungslösung eingelegt, anschließend mit Leitungswasser und dann mit destilliertem Wasser gespült. Nur bei hartnäckigen Verschmutzungen sollte die Einwirkzeit verlängert und die Temperatur erhöht werden!

Ultraschallbad

Im Ultraschallbad dürfen sowohl Glas- als auch Kunststoffgeräte gereinigt werden. Der direkte Kontakt mit den Schallmembranen muss allerdings vermieden werden.

 

 

Maschinelle Reinigung

Die maschinelle Reinigung von Laborgeräten in der Laborspülmaschine ist schonender als die Reinigung im Tauchbad. Die Geräte kommen nur während der relativ kurzen Spülphasen mit der Reinigungslösung in Kontakt, wenn diese über Spritz- bzw. Injektordüsen aufgesprüht wird.
 

  • Leichte Laborgeräte sind mit Spülnetzen zu sichern, damit sie durch den Spülstrahl nicht umhergewirbelt und beschädigt werden.
  • Laborgeräte sind besser gegen Beschädigung der Oberflächen geschützt, wenn die Drahtkörbe der Spülmaschine mit Kunststoff überzogen sind. 
     

Laborgeräte aus Glas

Bei Glasgeräten sind längere Einwirkzeiten über 70 °C in alkalischen Medien zu vermeiden. 

Andernfalls kann es insbesondere bei Volumenmessgeräten zu Volumenänderung durch Glasabtrag und Zerstörung der Graduierung kommen.

Laborgeräte aus Kunststoff

Die Kunststoffgeräte mit ihren überwiegend glatten, nicht benetzbaren Oberflächen sind bei geringer Alkalität im allgemeinen mühelos zu reinigen.
Laborgeräte aus Polystyrol und Polycarbonat, insbesondere Zentrifugenröhrchen, dürfen nur mit neutralen Reinigern manuell gereinigt werden. Längere Einwirkzeiten selbst gering alkalischer Reiniger beeinträchtigen die Festigkeit. Die Chemikalienbeständigkeit der jeweiligen Kunststoffe ist im Einzelfall zu prüfen.

Reinigung in der Spurenanalytik

Zur Minimierung von Metallspuren werden Laborgeräte in 1N HCl bzw. 1N HNO3 bei Raumtemperatur über max. 6 Stunden eingelegt. (Laborgeräte aus Glas werden häufig in 1N HNO3 1 Stunde lang gekocht.)
Anschließend wird mit destilliertem Wasser gespült. Zur Minimierung von organischen Verunreinigungen können Laborgeräte zuvor mit Laugen oder Lösungsmitteln, wie z. B. Alkohol gereinigt werden. 

Schonende Reinigung

Um die Laborgeräte zu schonen, sollten diese unmittelbar nach Gebrauch bei niedriger Temperatur, kurzer Verweildauer und geringer Alkalität gereinigt werden. Insbesondere bei Volumenmessgeräten aus Glas sind längere Einwirkzeiten in alkalischen Medien bei Temperaturen über 70 °C zu vermeiden, denn Glasabtrag führt zu Volumenänderungen bzw. Zerstörung der Graduierung.

Diagramm zum zunehmenden Alkaliangriff auf Borosilikatglas 3.3 bei steigender Temperatur, mit starkem Anstieg ab etwa 70 °C
Laugenangriff auf Boro 3.3 in Abhängigkeit von der Temperatur, berechnet aus Gewichtsverlusten. c (NaOH) = 1 mol/l, Angriffszeit: 1h.

(Graphs are from the brochure 'Technische Gläser' by SCHOTT AG, Mainz.)

Diagramm zum zunehmenden Alkaliangriff auf Borosilikatglas 3.3 bei steigendem pH-Wert bei 100 °C, mit starkem Anstieg ab etwa pH 10
Laugenangriff auf Boro 3.3 in Abhängigkeit vom pH-Wert bei 100 °C. Angriffszeit: 3h.
Information
Während eine 1N Natronlauge innerhalb von 1h an Boro 3.3 (Borosilikatglas 3.3) bei 70 °C nur etwa eine Schicht von ca. 0,14 µm abträgt, sind dies bei 100 °C immerhin schon ca. 1,4 µm, also die 10-fache Menge. Daher Reinigungstemperatur oberhalb 70 °C vermeiden und bevorzugt gering alkalische Reiniger verwenden.

Desinfektion und Sterilisation

Desinfektion

Laborgeräte, die mit infektiösem Material oder gentechnisch veränderten Organismen in Berührung gekommen sind, sind vor der weiteren Verwendung/Entsorgung zu desinfizieren, d.h. in einen Zustand zu versetzen, dass von ihnen keine Infektionsgefahr mehr ausgehen kann. 
Dazu können die Laborgeräte z. B. mit Desinfektionsreinigern behandelt werden. Falls erforderlich und der Werkstoff geeignet ist, kann anschließend dampfsterilisiert (autoklaviert) werden.

Dampfsterilisation

Unter Dampfsterilisieren (Autoklavieren) versteht man das Abtöten bzw. das irreversible Inaktivieren aller vermehrungsfähigen Mikroorganismen unter Einwirkung von gesättigtem Wasserdampf bei 121 °C 
(2 bar) nach DIN EN 285. 
Die ordnungsgemäße Durchführung der Sterilisation bis hin zur biologischen Sicherung liegt in der Verantwortung der zuständigen Hygienefachkraft.

 

 

Sterilisationshinweise

  • Nur wenn der Dampf gesättigt ist und zu allen kontaminierten Stellen ungehindert Zutritt hat, ist eine wirksame Dampfsterilisation gewährleistet.
  • Um Überdruck zu vermeiden, sind Behälter stets zu öffnen.
  • Wiederverwendbare verschmutzte Laborgeräte müssen vor dem Dampfsterilisieren gründlich gereinigt werden. Sonst backen während des Dampfsterilisierens die Schmutzreste an. Auch können die Mikroorganismen nicht wirksam abgetötet werden, da sie durch die Verschmutzungen geschützt sind. Gleichzeitig können evtl. anhaftende Chemikalien infolge der hohen Temperaturen die Oberflächen der Laborgeräte schädigen.
  • Nicht alle Kunststoffe sind dampfsterilisierbeständig. Polycarbonat z. B. verliert seine Festigkeit, weshalb Polycarbonat-Zentrifugenröhrchen nicht dampfsterilisiert werden dürfen.
  • Beim Dampfsterilisieren (Autoklavieren) dürfen insbesondere die Geräte aus Kunststoff mechanisch nicht belastet werden (z. B. nicht stapeln). Um Formveränderungen zu vermeiden z. B. Becher, Flaschen und Messzylinder aufrechtstehend autoklavieren.

Temperaturbelastbarkeit

Alle wiederverwendbaren BLAUBRAND®- und SILBERBRAND-Volumenmessgeräte können im Trockenschrank oder Sterilisator bis auf 250 °C erhitzt werden, ohne dass anschließend eine Volumenänderung zu befürchten ist. Grundsätzlich ist jedoch bei Glasgeräten zu beachten, dass ungleichmäßiges Erwärmen oder plötzlicher Temperaturwechsel thermische Spannungen bewirken, die zum Bruch führen können. Daher:

 

  • Glasgeräte stets in den kalten Trockenschrank bzw. Sterilisator legen und aufheizen.
  • Nach Ende der Trocken- bzw. Sterilisierzeit Geräte im abgeschalteten Ofen langsam abkühlen lassen.
  • Volumenmessgeräte nie auf eine Heizplatte stellen.
  • Bei Kunststoffgeräten ist die maximale Gebrauchstemperatur zu beachten.

More about volumetric instruments

Dr. Christian Schurz
Produktmanager Glas- & Kunststoffware | Experte für Volumenmessgeräte

Dr. Christian Schurz ist seit über 13 Jahren Produktmanager bei BRAND GMBH + CO KG in Wertheim und spezialisiert auf Themen rund um Volumenmessgeräte. Er arbeitet aktiv in der Normung mit: Als Mitglied im DIN-Arbeitsausschuss Volumenmessgeräte sowie als Experte und Projektleiter im ISO/TC48/SC8/WG1 (Glass and plastic volumetric apparatus). Nach seinem Chemiestudium (Diplom) an der TU Bergakademie Freiberg promovierte er an der Universität Stuttgart in Anorganischer Chemie. Seine wissenschaftliche Arbeit setzte er als Postdoc zunächst fort, ehe er 2013 zu BRAND wechselte.

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